Auf dieser Seite informiere ich Sie über interessante Themen:

 

Tiergestützte Interventionen (TGI)

 

Oft höre ich in meiner Praxis den Satz „mein Hund ist so toll, ich möchte ihn gerne als Therapiehund einsetzen“.

Als Mitbegründerin eines akkreditierten Weiterbildungsinstitutes, langjährige Geschäftsführerin, Dozentin und ehemaliges Mitglied einer Fachgruppe für TGI, fühle ich mich verpflichtet hier mal kurz über dieses Thema aufzuklären.

Vorneweg: es gibt keine „Therapiehunde“. Der Hund ist niemals der Therapeut! Der Therapeut ist immer der Mensch. Der fachlich richtige Begriff ist also „Therapiebegleithund“. Das hört sich jetzt vielleicht nach Haarspalterei an, ist aber wirklich wichtig, weil hier schon die Einstellung zu meinem Tier beginnt. Viel zu lange oder leider auch immernoch viel zu oft werden Tiere im sozialen Einsatz instrumentalisiert, mit durchaus erheblichen gesundheitlichen/emotionalen Folgen.  

Warum machen wir überhaupt TGI? Weil es uns einen Mehrwert für den Patienten/Klienten bringt. Wo aber bleibt der Mehrwert für unsere Tiere?

Eine professionelle Weiterbildung in TGI bildet in erster Linie den Therapeuten (Mensch!) aus. Dies umfasst viele Bereiche, wie z.B. Hygiene, Recht, Therapieplanung/-durchführung/-evaluation, Methodik, Tierschutz etc. Das einzusetzende Tier wird erst im zweiten Schritt, je nachdem was es uns anbietet, individuell auf sein jeweiliges Einsatzgebiet vorbereitet.

Wer sich für eine professionelle Weiterbildung zur Fachkraft für Tiergestützte Interventionen interessiert, kann sich z.B. hier informieren: www.isaat.org

 

 

Corona und Haustiere

 

Immer wieder kommt die Frage auf: Können Tiere auch Corona bekommen?

Hier muss man unterscheiden. Es gibt spezielle Coronaviren bei Hunden und Katzen, die zumeist Magen-Darmprobleme verursachen und gegen die unsere Tiere auch geimpft werden. COVID 19 ist primär kein Erreger unserer Haustiere, jedoch können sich insbesondere Katzen, in seltenen Fällen, bei infizierten Menschen anstecken und auch Symptome zeigen. Eine Ansteckung von Menschen durch ihre Haustiere ist bisher noch nicht bekannt. Wichtig ist deshalb, dass infizierte Menschen sich an besondere Hygienemaßnahmen im Umgang mit ihren Tieren halten, um diese zu schützen. Ein gutes Infoblatt von der Vereinigung österreichischer Kleintiermediziner finden Sie hier (bitte anklicken).

 

Schmerztherapie

 

Bei Schmerzen werden, je nach Lokalisation (orthopädisch, neurologisch, internistisch) und Art (akut, chronisch) zumeist Schmerzmittel eingesetzt. Hier gibt es verschiedene Medikamente:

·      Homöopathisch (z.B. Traumeel/Zeel)

·      Pflanzlich (z.B. PetDolor, ArthroRegen oder CBD-Öle)

·      Nicht steroidale Antiphlogistika (NSAIDs), die entweder in den Arachnidonsäurezyklus eingreifen (z.B Metacam, Rimadyl), den Prostaglandinrezeptor blockieren (z.B. Galliprant) oder den nerve growth factor binden (z.B. Librela)

·      Metamizol/Novalgin

·      Gabapentin

·      Opioide (z.B. Tralieve)

Bitte geben Sie Ihrem Tier keine Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrem Tierarzt/-in!

Mittlerweile ist man davon abgekommen Schmerzen ausschließlich medikamentös zu behandeln, sondern unterstützt das Tier gleichzeitig mit anderen Maßnahmen, wie z.B. Osteopathie, Akupunktur, Aromatherapie, Ergänzungsfuttermitteln. Dies nennt man dann „multimodale Schmerztherapie“.

Wichtig ist, dass kein Tier Schmerzen haben sollte!

 

Hinweis: Es gibt noch viele weitere Präparate, dies ist kein Sponsoring für o.g. Produkte!

 

 

Aromatherapie

 

Unter Aromatherapie versteht man die Behandlung mit ätherischen Ölen. 

Ätherische Öle sind Pflanzenstoffe, die der Pflanze z.B. zur Insektenanlockung, Parasitenabwehr, Stabilisation, Schutz vor Hitze, Kälte, UV-Strahlung, bei Verletzungen, zur Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes etc. dienen. 

Diese Stoffe werden mit Hilfe spezieller Verfahren, wie Wasserdampfdestillation, Kaltpressung, CO2-Extraktion gewonnen. Verwendet werden hierfür verschiedene Teile der Pflanze, wie Blüten, Blätter, Wurzeln, Harze etc..

Bei den ätherischen Ölen handelt es sich also um ein Gemisch hochkonzentrierter chemischer Verbindungen (Terpene, Ketone, Phenole, Ester, Oxide, Alkohole, Aldehyde). Aus diesem Grund müssen sie fast immer stark verdünnt angewendet werden. Beim Hund oft in 1%iger Lösung, das bedeutet ein Tropfen Öl auf 5ml Trägeröl. Das sieht nach wenig aus, aber Ihre schulmedizinischen Tabletten bestehen auch zum größten Teil aus Trägerstoffen und Sie nehmen bei Kopfschmerzen ja auch nur eine Tablette und nicht die ganze Packung.

Ätherische Öle können über verschiedene Wege vom Körper aufgenommen werden. Einerseits direkt über die Haut und Schleimhaut, andererseits aber auch per Inhalation.

Die Aromatherapie kann bei fachgerechter Anwendung die Schulmedizin gut unterstützen, diese jedoch nicht in jedem Fall ersetzen. 

 

Ergänzungsfuttermittel

 

Viele Tierbesitzer möchten Ihren Tieren etwas Gutes tun und sie deshalb mit Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen. Diese enthalten z.B. Vitamine und Spurenelemente.

Dass diese Produkte freiverkäuflich sind ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil jeder sie kaufen kann und sie viel günstiger sind, als wenn sie unter die Medikamente fallen würden. Fluch, weil damit suggeriert wird, dass Ergänzungsmittel völlig harmlos sind, Ihnen gleichzeitig aber große positive Wirkungen zugeschrieben werden.

Leider beobachten wir in der Praxis zunehmend Fehldosierungen mit diesen Mitteln.

So führt z.B. eine Überdosierung mit Jod durch Meeresalgen dazu, dass die Schilddrüse ihre Funktion einstellt und die Medikation dann bei Patienten mit einer Unterfunktion nicht mehr stimmt. Ein zu hoher Folsäurespiegel kann im schlimmsten Fall sogar zu Anfällen führen. Ein zu hohes Vitamin D kann bewirken, dass Calcium aus den Knochen ausgebaut wird usw.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie bevor Sie Ergänzungsmittel füttern ein entsprechendes Blutbild erstellen lassen, um zu sehen, ob bei Ihrem Tier überhaupt niedrige Werte oder gar ein Mangel besteht. Ja es stimmt, dass die Blutwerte keine direkte Information über den Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen im Gewebe haben, aber wenn zuviel davon im Blut ist, liegt definitiv kein Mangel vor.

Bitte sprechen Sie deshalb offen mit Ihrem Tierarzt/-in, was Ihr Tier alles bekommt, auch wenn Sie diese Präparate aufgrund von Internetrecherche, Facebookgruppen oder Rat des Tierheilprakters gekauft haben.

Auch hier gilt der Satz: Viel hilft nicht immer viel!

 

Salutogenese

 

Mit Salutogenese wird ein Modell des Medizinsoziologen Antonovsky bezeichnet, bei dem Krankheit und Gesundheit nicht getrennt, sondern als Kontinuum definiert werden. Salutogenese (lat.: salus: Gesundheit; -genese: Entstehung)

 

Es wird ein Kohärenzgefühl beschrieben, welches für eine Art „innere Zufriedenheit“ steht. Hierfür sind folgende Punkte zur Lebensbewältigung wichtig:

1.     Verstehbarkeit

2.     Bewältbarkeit

3.     Sinnhaftigkeit

 

Eine große Rolle spielen auch die persönlichen Ressourcen und äußeren Faktoren, wie Bewegung, Ernährung, Entspannung und Sozialkontakte.

 

Wie steht es nun um die Salutogenese beim Tier?

Auch hier können wir beobachten, dass einzelne Individuen mit den scheinbar selben Umständen unterschiedlich gut zurechtkommen. Auch Tiere bringen persönliche Ressourcen mit und für sie sind ebenfalls Dinge wie Bewegung, Ernährung und Entspannung essentiell.  

Wie sieht es nun aber bei Tieren mit dem Lebenssinn und den Sozialkontakten aus? Aus meiner Sicht steht, entgegen der Meinung einiger Hundetrainer, bei diesem seit Jahrtausenden domestizierten Tier, das Menschenrudel als Sozialkontakt im Vordergrund, was auf keinen Fall bedeutet, dass nicht auch ein regelmäßiger Kontakt zu Artgenossen unabdingbar ist.

Die Sache mit dem Lebenssinn ist da schon schwieriger? Sind Tiere sich eines Lebenssinns bewusst? Diese Frage möchte ich eigentlich lieber im Raum stehen lassen. Was für Tiere aber sicher genauso wichtig, wie für den Menschen ist, sind Verstehbarkeit und Bewältbarkeit von Aufgaben.

 

Also bitte nicht wundern, wenn ich Ihnen im Erstgespräch auch scheinbar merkwürdige Fragen stelle.

 

Professionelle Therapeuten

 

Der Gesetzgeber hat zwar das Tier endlich auch ins Grundgesetz aufgenommen (Art. 20a GG "Der Staat schützt ... die Tiere ... "), leider bestimmt er nicht ausreichend, wer Tiere behandeln darf. So sind zwar die Berufe des Tierarztes und der Tiermedizinischen Fachangestellten geregelt, jedoch sind Bezeichnungen wie: Tierosteopath, Tierakupunkteur,Tierphysiotherapeut, Tierhomöopath etc. nicht gesetzlich geschützt. Selbst Tierheilpraktiker müssen nicht, wie bei den Humanheilpraktikern, eine Prüfung vor dem Amtsarzt ablegen, sondern können allenfalls eine Prüfung bei ihrem eigenen Verband machen. Überspitzt gesagt, kann sich jeder ein Schild mit "Tierosteopath", "Tierheilpraktiker", "Tierphysiotherapeut" etc. an die Tür hängen, ohne jemals eine Ausbildung in diesem Bereich gemacht zu haben. Ob das dem im Grundgesetz beschriebenen "Schutz der Tiere" Rechnung trägt, kann nun jeder selbst beurteilen. Selbst Begriffe wie "Studium" sind nicht geschützt. Geht man im Allgemeinen doch davon aus, dass jemand der studiert, ein Abitur hat und Vollzeit eine Hochschule

besucht, so kann hier leider der Begriff des "Studiums" auch für wenige Wochenendfortbildungen verwendet werden.

Gerade in der Osteopathie sind fundierte Kenntnisse der Anatomie, Histologie, Pathologie und Physiologie unerlässliche Grundvoraussetzung für professionelles Arbeiten. Einzelne Seminartage reichen hier nicht aus. Anatomie muss in aller Tiefe am toten Tier erlernt werden, auch wenn moralische Bedenken dabei bestehen sollten. Ein Körper ist ein hochkomplexes System, welches nicht durch ein "fünfteiliges Steckmodell aus Plastik" oder eine Videoanimation begreifbar gemacht werden kann. Tierärzte erlernen die Anatomie, Histologie, Pathologie und Physiologie über mehrere Jahre, qualifizieren sich dann optimalerweise berufsbegleitend in Physiotherapie fort, um die Biomechanik und das manuelle Behandeln zu erlernen und bilden sich darauf aufbauend in Osteopathie weiter. Tierärzte unterliegen einer Fortbildungspflicht. Ihre Weiterbildungen müssen den Qualitätsansprüchen der Akademie für Tierärztliche Fortbildung (ATF) entsprechen. Dies ist zum Beispiel bei den Fortbildungen der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin (GGTM) oder Tao-Equilibre der Fall.

Scheuen Sie sich nicht, bei Ihrem "Tiertherapeuten" nachzufragen, wie genau seine Fortbildung aussah und welchen Grundberuf er eigentlich hat. Sätze wie: "

Ich habe schon als Kind Tiere geliebt und durch die Erkrankung meines eigenen Tieres bin ich zu der Therapieform XY gekommen" reichen meiner Ansicht nach da nicht aus.